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Und manchmal fährt sie die Krallen aus...

Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Gittel.

Christa Schneider, die "Mutter des Katzenhauses" in Thannhausen, erhält für ihr Engagement die Silberdistel

Gäbe es ein Tierkreiszeichen "Katze", sie wäre wohl darin geboren. So aber ist Christa Schneider im Sternzeichen der Jungfrau zur Welt gekommen. Dem wiederum sagt man Ordnungsliebe, Fleiß und scharfen Verstand nach, und da ist Christa Schneider eben doch beim richtigen Tierkreiszeichen. Die "Mutter des Katzenhauses" in Thannhausen (Landkreis Günzburg) geht nämlich mit ganzem Fleiß auf in ihrer ehrenamtlichen Arbeit für kranke, ausgesetzte, geschundene und vernachlässigte Katzen. Und mit scharfem Verstand weiß sie auch ihre "Krallen" auszufahren und zu "fauchen", wenn man ihre Schützlinge bedroht. Für ihr selbstloses Engagement erhält sie die Silberdistel unserer Zeitung.

Als Kind war sie mit vielen Tieren aufgewachsen. Jahre später, als sie mit dem Mann ihres Herzens in einen Wohnblock zog, blieb dort nur Platz für eine kleine Katze. Weil aber das große Herz von Christa Schneider mehr Tier vertragen hätte, kam es, wie es kommen musste: Zuerst meldete sie sich als Haussammlerin für den Tierschutzverein und schließlich kümmerte sie sich um die Vierbeiner selbst. Es begann mit verwilderten Katzen, die sich ihr Zuhause in einer still gelegten Gärtnerei gewählt hatten. 15 Jahre ist es her, dass sie dort die fauchenden Miezen einfing und sterilisieren ließ. Das sprach sich herum und bald war Christa Schneider Anlaufstelle für alles, was vier Beine hat. Vor allem Leute, die eine Katze abzugeben hatten, fanden den Weg zu ihr. Ob ausgesetztes, krankes oder neugeborenes Tier Christa Schneider nahm Katze für Katze auf. Das war nur möglich, weil sie inzwischen umgezogen war und in dem Haus einen eigenen Katzenraum einrichten konnte. Christa Schneider wurde Vorsitzende der Tierschutzvereins-Sektion Thannhausen mit einem großen Einzugsbereich und ziemlich schnell wurde es ziemlich eng im "Katzenasyl".

Zum Glück hatte der Tierschutzverein 1997 10 000 Mark geerbt. Mit diesem Geld wurde der Grundstock für ein Katzenhaus gelegt. Heute leben dort 50 Tiere. Weniger werden es kaum werden, denn, und da fährt Christa Schneider ihre "Krallen" aus und ihre Augen funkeln vor Zorn: "Viele Leute, vor allem auf dem Land, lassen ihre Katzen nicht sterilisieren. Auch nicht, wenn wir ihnen mit einem Zuschuss unter die Arme greifen."

Allein 28 kleine Katzen hatte der Tierschutzverein Thannhausen in letzter Zeit aufzuziehen, aufzupäppeln, rund um die Uhr zu verpflegen. Da ist Christa Schneider froh um alle ihre 20 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Es gibt genug zu tun: Organisation, Telefondienst, täglicher Dienst im Katzenhaus mit Füttern, Reinigen und Pflegen und vnoch vieles mehr. Fast 7000 Stunden im Ehrenamt kommen so im Jahr zusammen und noch Geld, das jeder Helfer "zubuttert", um das "Katzenhaus" am Leben zu erhalten.

Da ärgert es die "Katzenmutter", wenn diese Leistung zu wenig gewürdigt wird, die Kommunen beim Tierschutzverein den Rotstift ansetzen und sich mit Pauschalbeträgen aus ihrer gesetzlichen Pflicht loskaufen wollen. In Briefen an die Gemeinden haben Christa Schneider und ihre Helfer daraufhin aufgelistet, wie viel Arbeit und Kosten anfallen, wenn ein Tier im "Katzenhaus" landet. Einen kleinen Erfolg konnten sie schon verbuchen: Eine Kommune unterstützt nun finanziell die Kastration von Katzen.

Und Christa Schneider kämpft weiter. Inzwischen hat sie einen Raum in ihrem Haus für kranke Kätzchen eingerichtet. Für ihr Engagement nimmt sie auch persönliche Angriffe, Anfeindungen und Unverständnis gelassen hin. "Der schönste Lohn ist, wenn ein Tier, dem es recht schlecht ging, wieder ein Super-Zuhause gefunden hat. Dafür hat sich jeder Einsatz gelohnt."