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Drei Kätzchen saßen hungernd im Busch

Gerade noch vor dem sicheren Tod bewahrt

Thannhausen/Oberrohr (lmm).

Unbegreiflich ist es für die Leiterin des Tierschutzvereins Thannhausen, Christa Schneider, wie Menschen so etwas fertig bringen: Wieder wurden drei kleine Kätzchen ausgesetzt. In einem Gebüsch zwischen Oberrohr und Thannhausen wurden sie gerade noch rechtzeitig entdeckt. Das hätten die drei Kleinen keinesfalls überlebt, betont die Tierschützerin.

Früh am Morgen ging Sabine Keder aus Oberrohr mit ihrer Hündin Shira an der kleinen Mindel bei Oberrohr spazieren. Als ich an einem kleinen Wäldchen vorbei kam, hörte ich ein herzzerreißendes Miauen, erzählt Sabine Keder. Sie schaute nach und entdeckte ein kleines getigertes Kätzchen. Es gelang ihr, das Kätzchen aus dem Gebüsch zu locken. Anfassen ließ es sich jedoch nicht, erzählt sie weiter. Doch die Kleine ist dann ihr und dem Hund nachgelaufen. Sie wollte es in Richtung Oberrohr locken. Aber ein vorbeifahrendes Auto verscheuchte das Kätzchen wieder. Sabine Keder ging darauf hin zurück nach Hause und verständigte Claudia Neumeister, die ehrenamtlich beim Tierschutzverein tätig ist. Gemeinsam gingen die Frauen zurück zu dem Ort, wo das Kätzchen entdeckt worden war.

Das Kätzchen ließ sich zwar wieder sehen, aber man konnte sich ihm nur auf zwei bis drei Metern nähern, dann verschwand es wieder im Gebüsch. Mit einer Holzkiste als Falle gelang es innerhalb einer Minute, das Kätzchen einzufangen. Der Hunger hatte es in die Falle getrieben. Und auf sein Weinen in der Kiste kam plötzlich ein Echo aus dem Gebüsch, erzählt Claudia Neumeister.

Ein zweites Kätzchen kam zum Vorschein. Auch das ging vor lauter Hunger sofort in die Falle. Zunächst glaubten wir, dass es sich nur um zwei Kätzchen handle, aber ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein Geräusch gehört hätte, erzählt Claudia Neumeister weiter. Das wiederum ließ Mitstreiterin und ebenfalls engagierte Tierschützerin Heidi Deiniger aus Burtenbach nicht ruhen. Heidi Deiniger gilt als unsere Spezialistin, wenn es darum geht, Katzen einzufangen, sagt die Leiterin des Tierschutzvereins.

Und tatsächlich, nachts um drei Uhr, Deiniger hatte sich auf die Lauer gelegt, gelang es, ein drittes Kätzchen in die Falle zu locken. Bei einem weiteren Fangversuch in der darauf folgenden Nacht kam kein Kätzchen mehr zum Vorschein. Somit dürfte es sich bei den ausgesetzten Katzen um ein Trio handeln.

Die Kätzchen waren zwar völlig ausgehungert, aber nicht scheu, erzählt Neumeister. Sie müssen schon Kontakt zu Menschen gehabt haben, so die Tierschützerin. Vermutet wird, dass die drei Kleinen schon länger dort gesessen haben. Sie hatten leichtes Fieber und mussten tierärztlich versorgt werden.

Drei Wochen jung

Christa Schneider schätzt das Alter der Kätzchen auf zirka drei Wochen. Nachdem sie der Tierarzt untersucht und geimpft hatte, wurden sie im Katzenhaus in Thannhausen untergebracht. Es ist einfach brutal, sagt die Leiterin des Katzenhauses, was diesen Tieren angetan wurde. Wären sie nicht rechtzeitig gefunden worden, hätte das für die drei kleinen Katzen einen erbärmlichen Tod bedeutet.

Der Tierschutzverein weist deshalb erneut darauf hin, wie wichtig es ist, Katzen kastrieren zu lassen. Im Notfall gibt es auch eine finanzielle Unterstützung durch den Tierschutzverein. Manche Gemeinden gewähren ebenfalls Zuschüsse zur Kastration.

Doch leider wird der Tierschutzverein nicht von allen Kommunen unterstützt. Wir werden gar als Kostenverursacher bezeichnet, wenn wir streunende Katzen kastrieren lassen. Dabei sind die Kostenverursacher doch die Menschen, die ihre Katze einfach laufen lassen, ohne sich um eine Kastration zu kümmern. Wir machen das alles ehrenamtlich, Benzin- und Telefonkosten zahlen wir aus eigener Tasche, betont die Vereinsvorsitzende.

Das jahrelange Bemühen des Tierschutzvereins zeige langsam Früchte. Das Katzenelend habe sich wesentlich gebessert, freut sich Christa Schneider. Doch schon eine einzige nicht kastrierte Kätzin könne die jahrelangen Bemühungen wieder zunichte machen.

Laut Tierschutzgesetz handelt es sich beim Aussetzen von Tieren, die sich in der Obhut des Menschen befinden und im Haus gehalten werden, um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet wird. Nach Auskunft des Landratsamtes bewegt sich der Rahmen des Strafmaßes bis zu 25 000 Euro. Ist das Tier dabei über einen längeren Zeitraum erheblichen Leiden ausgesetzt, komme noch der Tatbestand der Tierquälerei hinzu, der wie das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund (etwa um ihm Leiden zu ersparen) eine Straftat ist. Die drei kleinen Kätzchen hatten Glück, dass sie von Menschen entdeckt wurden, die sie nicht einem mit Sicherheit schrecklichen Schicksal überlassen haben. Nun können sie sich im Katzenhaus in Thannhausen erholen. Und vielleicht finden die drei bald ein neues Zuhause, wo es ihnen gut geht. In diesem Zusammenhang weist Christa Schneider erneut darauf hin, dass der Tierschutzverein auf Spendengelder angewiesen ist, um wie in diesem Fall den Tieren zu helfen. Der Tierschutzverein nimmt auch Hinweise entgegen, welche die Aussetzung betreffen.

Spendenkonto für den Tierschutzverein Thannhausen: Raiba Thannhausen: BLZ 720 692 35, Konto 7811 oder Sparkasse Thannhausen: BLZ 720 518 40, Konto 110 700. Weitere Auskünfte unter: Tierschutzverein Thannhausen Tel.: 08281/2675 und www.tierschutz-thannhausen.de